KomIn2Assist im Rückblick: Erfahrungen, Impulse und Perspektiven
- LebensWerkstatt
- vor 2 Tagen
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Aktualisiert: vor 8 Stunden
Part 4: Perspektive Anwenderunternehmen (Teilhabe)
Zum Abschluss des Projekts KomIn2Assist geben wir den Menschen eine Stimme, die dieses Vorhaben von Beginn an geprägt und begleitet haben. Seit 2023 bis heute haben Vertreter:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis das Projekt kontinuierlich mitgestaltet, Erfahrungen eingebracht und Entwicklungen vorangetrieben.
In einer vierteiligen Interviewreihe beleuchten wir ihre Perspektiven auf digitale Assistenz, Inklusion und die Zukunft der Arbeit. Die Beiträge zeigen, wie unterschiedlich die Blickwinkel sind – und wie wertvoll ihr Zusammenspiel für den Projekterfolg war.
Part 4:
Digitale Assistenzsysteme eröffnen neue Möglichkeiten, Teilhabe im Arbeitsalltag aktiv zu gestalten und Menschen mit Unterstützungsbedarf stärker einzubinden. Doch wie bewährt sich diese Technologie im konkreten Einsatz in einem Anwenderunternehmen? Im Interview wird deutlich: Entscheidend ist nicht nur die technische Funktion, sondern vor allem, wie das System Motivation schafft, Selbstständigkeit fördert und in bestehende Abläufe integriert wird. Als Vertreter der Perspektive eines Anwenderunternehmens im Bereich Teilhabe: Clemens Körte, Bereichsleitung bei der Die LebensWerkstatt.

Mit Blick auf Assistenzsysteme: Was bedeutet Teilhabe nun für Sie zum Ende des Projekts KomIn2Assist?
Clemens Körte: Was für mich besonders eindrücklich war: Immer mehr Menschen mit Beeinträchtigung sind aktiv auf uns zugekommen und wollten am „Schlauen Klaus“ arbeiten. Es wurde offenkundig untereinander darüber gesprochen – und genau das zeigt, dass solche Systeme als attraktiv und zeitgemäß wahrgenommen werden.
Teilhabe bedeutet für mich heute viel stärker, Menschen nicht nur einzubinden, sondern ihnen Eigenständigkeit und Verantwortung zu ermöglichen. Die Digitalisierung verschafft uns dazu ganz neue Optionen. In den Probedurchläufen ist es uns gelungen, mehr Personen gerade auch mit geminderter Leistungsfähigkeit in Produktionsprozesse zu integrieren und ihnen Selbstwirksamkeit erlebbar zu machen. Gleichzeitig konnten wir Qualität und Wirtschaftlichkeit steigern – ein klarer Gewinn für alle Seiten..
Was war bei der Einführung entscheidend, damit das System akzeptiert wird?
Clemens Körte: Ein entscheidender Punkt war, dass das System positiv gestaltet ist. Es arbeitet „freundlich“, gibt Rückmeldungen und motiviert – etwa durch spielerische Elemente wie Gamification und den Agenten Gregor. Gerade in unserem Umfeld ist das ein sehr wirkungsvoller Ansatz.
Hinzu kommt: Prozesse wurden schlanker und nachvollziehbarer. Die Kamera übernimmt Kontrollen, Dokumentation wird automatisch erstellt und Fehler lassen sich klar zuordnen. Gleichzeitig wurde die Programmierung im Projektverlauf immer einfacher – sodass auch Mitarbeitende ohne IT-Hintergrund das System nutzen und gestalten konnten. Diese Zugänglichkeit hat viel zur Akzeptanz beigetragen.
Wie hat sich die Rolle der Fachkräfte durch den Einsatz des Systems verändert?
Clemens Körte: Die Rolle hat sich spürbar verschoben – weg von reiner Kontrolle hin zu Begleitung und Unterstützung. Klassische Sichtprüfungen entfallen, dafür geht es stärker darum, Menschen an Digitalisierung heranzuführen und transparent zu sein im Hinblick auf die sich verändernde Rolle einer pädagogischen Fachkraft.
Außerdem: Fachkräfte sind keine IT-Experten und werden auch keine, sie brauchen daher eine enge Anbindung an die IT-Abteilung. Gleichzeitig eröffnet das Systen, und das ist ein Entwicklungsprozess für alle Fachkräfte, neue Möglichkeiten, Menschen individuell einzubinden und ihre Fähigkeiten gezielt zu fördern.
Was würden Sie anderen Einrichtungen sagen, die überlegen, ein solches System einzuführen?
Clemens Körte: Ich würde sagen: Lasst euch von anfänglichen Schwierigkeiten nicht abschrecken. Nehmt euch Zeit, sammelt Erfahrungen und arbeitet euch Schritt für Schritt ein – am besten gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen auf ähnlichem Kenntnisstand. Das System bewertet nicht, es unterstützt neutral. Es hilft einem genauso gut, wie man es eingerichtet hat, und gibt die Chance, Dinge kontinuierlich zu verbessern. Und wenn man mal nicht weiterkommt, sollte man sich einfach Unterstützung holen – das gehört dazu.
Wichtig ist auch: geht nicht planlos ins Rennen, überlegt Euch genau, mit welchen Klienten und für welche Produkte sich für euch der Schlaue Klaus lohnt.
Was sollte jemand aus diesem Interview unbedingt mitnehmen?
Clemens Körte: Das wichtigste für mich ist: Digitale Assistenzsysteme können echte Teilhabe ermöglichen – wenn sie gut gestaltet sind. Sie bringen Struktur, schaffen Transparenz und geben gleichzeitig Raum für Flexibilität.
Unsere Erfahrung zeigt, dass der Schlaue Klaus besonders für Klienten mit Leistungsminderung einen sehr positiven Effekt darstellt.
Und ganz entscheidend: digitale Arbeitssysteme machen Arbeit nicht nur effizienter, sondern auch attraktiver und motivierender. Gerade durch die Kombination aus klarer Anleitung, positiver Rückmeldung und technischer Unterstützung entsteht ein Arbeitsumfeld, in dem Menschen wachsen können – fachlich wie persönlich.

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