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KomIn2Assist im Rückblick: Erfahrungen, Impulse und Perspektiven

  • Prof. Dr. Oliver Korn
  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Part 2: Perspektive Wissenschaft & Forschung 


Zum Abschluss des Projekts KomIn2Assist geben wir den Menschen eine Stimme, die dieses Vorhaben von Beginn an geprägt und begleitet haben. Seit 2023 bis heute haben Vertreter:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis das Projekt kontinuierlich mitgestaltet, Erfahrungen eingebracht und Entwicklungen vorangetrieben.


In einer vierteiligen Interviewreihe beleuchten wir ihre Perspektiven auf digitale Assistenz, Inklusion und die Zukunft der Arbeit. Die Beiträge zeigen, wie unterschiedlich die Blickwinkel sind – und wie wertvoll ihr Zusammenspiel für den Projekterfolg war. 

 

Part 2: Perspektive Wissenschaft & Forschung

Die wissenschaftliche Perspektive im Projekt KomIn2Assist zeigt, dass erfolgreiche digitale Assistenz weit über technische Funktionalität hinausgeht. Entscheidend ist die Gestaltung der Interaktion zwischen Mensch und System. Als Vertreter der wissenschaftlichen Perspektive im Projekt: Prof. Dr. Oliver Korn vom Affective and Cognitive Institute (Hochschule Offenburg).


Prof. Dr. Oliver Korn (Bildmitte)
Prof. Dr. Oliver Korn (Bildmitte)

 

Was hat Sie persönlich im Projekt am meisten überrascht oder beeindruckt? 


Prof. Dr. Oliver Korn: Mich hat beeindruckt, wie stark kleine Gestaltungsentscheidungen wirken. Ein rotes Warnsignal oder eine nüchterne Fehlermeldung kann demotivieren; ein konstruktiver Hinweis, ein Emoji oder der sichtbare eigene Fortschritt kann dagegen Sicherheit geben. Gerade bei Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf zeigte sich: Gute Assistenz ist nicht einfach „mehr Technik“. Sie muss genau dosieren, wann sie hilft, wie sie spricht und wann sie sich zurücknimmt. Diese Feinabstimmung entscheidet oft mehr als die technische Komplexität. 

  

Wie wird sich der Bereich digitaler Assistenz und Teilhabe in den nächsten fünf bis zehn Jahren entwickeln und welche Rolle könnte KomIn2Assist in diesem größeren Innovationsfeld spielen?


Prof. Dr. Oliver Korn: In den nächsten fünf bis zehn Jahren werden Assistenzsysteme deutlich persönlicher und situativer. Sie werden nicht nur prüfen, ob ein Arbeitsschritt korrekt war, sondern erkennen, welche Unterstützung eine Person gerade braucht. KomIn2Assist zeigt dafür einen realistischen Weg: Bestehende Systeme werden um adaptive Assistenz, verständliche Dialoge und motivierendes Feedback ergänzt. Spannend ist dabei das Verhältnis zum EU AI Act: Emotionserkennung am Arbeitsplatz ist grundsätzlich untersagt; eng begrenzte Ausnahmen gelten für medizinische oder sicherheitsbezogene Zwecke. Gerade deshalb müssen solche Systeme transparent, zweckgebunden und datensparsam gestaltet werden. So kann aus Qualitätskontrolle ein Werkzeug für Teilhabe und Kompetenzentwicklung werden. 

  

Welche Erkenntnis aus dem Projekt hat Ihre eigene Forschung oder Perspektive nachhaltig verändert? 


Prof. Dr. Oliver Korn: Nachhaltig verändert hat sich meine Perspektive auf Adaptivität. Früher hätte ich vor allem an unterschiedliche Fähigkeitsprofile gedacht. Im Projekt wurde deutlich, dass dieselbe Person an verschiedenen Tagen oder sogar innerhalb eines Arbeitstages unterschiedlich viel Unterstützung benötigen kann. Ein gutes System darf Menschen deshalb nicht dauerhaft in Kategorien einordnen. Es muss aufmerksam bleiben, Überforderung vermeiden und zugleich Entwicklung ermöglichen. Adaptivität ist damit keine Zusatzfunktion, sondern die eigentliche Voraussetzung für gute Assistenz. 

  

Was sollte jemand aus diesem Interview unbedingt mitnehmen? 


Prof. Dr. Oliver Korn: Die wichtigste Botschaft lautet: Nicht der Mensch muss sich der Technik anpassen, sondern die Technik dem Menschen. Inklusion bedeutet nicht, Anforderungen abzusenken, sondern Barrieren gezielt abzubauen. Gute digitale Assistenz bevormundet nicht, sondern macht Menschen selbstständiger, sicherer und mutiger. KomIn2Assist zeigt, dass industrielle Qualität, wirtschaftliche Praxis und Teilhabe zusammenpassen. Richtig gestaltet, kompensiert Technik nicht nur Einschränkungen: Sie eröffnet Fähigkeiten, Chancen und neue Wege in die Arbeitswelt. 



Genauso gespannt wie wir? Dann verfolgen Sie den Stand des Projekts auf unserer Webseite unter Aktuelles oder auf unserem LinkedIn-Account.

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