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Wie wir Menschen mit Behinderung in die Entwicklung einbeziehen: Ein Blick hinter die Kulissen

  • komin2assist
  • 31. März
  • 2 Min. Lesezeit

Die Entwicklung funktionaler Produkte und Dienstleistungen beginnt für uns bei den Menschen, die sie später nutzen. Die Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderung ist daher kein ergänzender Schritt, sondern ein zentraler Bestandteil unseres Entwicklungsprozesses.


Im Projekt KomIn2Assist haben wir diesen Co‑Creation‑Ansatz über drei Jahre hinweg in insgesamt drei vollständigen Entwicklungszyklen umgesetzt. Jeweils bestehend aus Anforderungsanalyse, Entwicklungsphase, Workshops und einer abschließenden Evaluation. Dieser Beitrag gibt einen Einblick in diese Vorgehensweise und zeigt, wie wir gemeinsam mit Menschen mit Behinderung Schritt für Schritt zu praxistauglichen Lösungen gelangen.



Foto: Femos gGmbH


Warum Co‑Creation für uns wichtig ist

Um barrierefreie und praxistaugliche Lösungen zu entwickeln, reicht eine theoretische Betrachtung nicht aus. Entscheidend ist das Verständnis dafür, wie Produkte im Alltag tatsächlich genutzt werden und welche individuellen Anforderungen dabei entstehen. Aus diesem Grund beziehen wir Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen systematisch in den Entwicklungsprozess ein:

  • Menschen mit körperlichen Einschränkungen

  • Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen

  • Menschen mit Sinnesbehinderungen

  • Menschen mit psychischen oder neurologischen Besonderheiten

Diese Vielfalt an Perspektiven ermöglicht es uns, Anforderungen frühzeitig zu erkennen und zielgerichtet umzusetzen.


Workshops als strukturierte Beteiligungsform 

Unsere Co‑Creation‑Workshops dienen dazu, Anforderungen, Nutzungsszenarien und mögliche Lösungsansätze gemeinsam zu erarbeiten. Die Workshops sind so gestaltet, dass alle Teilnehmenden ausreichend Zeit und Gelegenheit haben, ihre Erfahrungen einzubringen. Durch den Einsatz von Materialien zum Ausprobieren und Testen können Ideen unmittelbar überprüft werden. Die Moderation stellt sicher, dass Barrieren reduziert und Beiträge aller Beteiligten berücksichtigt werden.


Iterative Tests als kontinuierlicher Lernprozess

Nach den Workshops beginnt eine mehrstufige Testphase, in der die verschiedenen Komponenten des Assistenzsystems Schritt für Schritt erprobt werden. Dabei kommen Prototypen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien zum Einsatz.


Im Mittelpunkt stehen dabei zwei zentrale Elemente des Projekts:

  • Der Schlaue Klaus als kamerabasiertes Montagesystem, das Arbeitsschritte erkennt, überprüft und visuelles Feedback gibt.

  • Gregor, der digitale Assistenzagent, der diese Informationen aufgreift und in motivierendes, leicht verständliches Feedback übersetzt, ergänzt durch Gamification‑Elemente und adaptive Unterstützung.


In den Tests wird untersucht, wie gut beide Systeme zusammenspielen: Wie zuverlässig erkennt der Schlaue Klaus die Arbeitsschritte? Wie verständlich und hilfreich ist das Feedback, das Gregor darauf basierend gibt? Und wie wirkt sich die Kombination aus technischer Kontrolle und empathischer Rückmeldung auf Motivation, Selbstständigkeit und Arbeitsqualität aus?


Erst durch mehrere Testdurchläufe zeigt sich, welche Anpassungen notwendig sind. Die Ergebnisse fließen direkt in die nächste Entwicklungsrunde ein und bilden die Grundlage für eine kontinuierliche Verbesserung.


Feedback als Grundlage für Weiterentwicklung

Das Feedback der beteiligten Personen ist ein wesentlicher Bestandteil des Entwicklungsprozesses. Es liefert konkrete Hinweise darauf, welche Aspekte bereits funktionieren und wo Anpassungsbedarf besteht. Typische Erkenntnisse aus den Tests sind:

  • Eine Funktion ist logisch aufgebaut, aber praktisch schwer erreichbar.

  • Ein Text ist verständlich, aber zu umfangreich.

  • Ein Button ist sichtbar, aber nicht eindeutig.

  • Ein Prozess ist technisch korrekt, aber im Alltag zu komplex.

Diese Rückmeldungen fließen direkt in die Weiterentwicklung ein und tragen zu einer kontinuierlichen Verbesserung bei.


Gemeinsam zu praxistauglichen und inklusiven Lösungen

Barrierefreiheit entsteht durch systematische Zusammenarbeit und den kontinuierlichen Austausch mit den späteren Nutzer*innen. Durch die enge Einbindung von Menschen mit Behinderung entwickeln wir Lösungen, die nicht nur formale Anforderungen erfüllen, sondern im Alltag tatsächlich nutzbar und inklusiv sind. Dies bildet die Grundlage unseres Qualitätsanspruchs.

 



Genauso gespannt wie wir? Dann verfolgen Sie den Stand des Projekts auf unserer Webseite unter Aktuelles oder auf unserem LinkedIn-Account.

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